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Original Zeitungsartikel aus den Nürnberger Nachrichten [410.5 KByte]
NÜRNBERG - Wenn am Mittwoch die deutsche Elf bei der WM in Südafrika gegen Ghana antritt, drückt im Stadion von Johannesburg auch ein Nürnberger Unternehmer den Löw-Schützlingen die Daumen: Hans-Jürgen Tettenborn, Chef der DeTe Surface Technology Group.
In das Land am Kap ist er allerdings nicht aus purer Fußballbegeisterung gereist, sondern auch aus geschäftlichen Gründen: Schon seit mehr als 30 Jahren ist seine Firma DeTe mit dem englischen Zusatz »Surface Technology Group« in Südafrika vertreten. Ihre Spezialität: Sie stellt Geräte und Systeme der Lackiertechnik her – vom einfachen Handspritzgerät bis zu ausgeklügelten Systemen in der Roboterfertigung.
Dabei hält der Nürnberger Johannesburg nicht unbedingt für besonders attraktiv – auch wenn die eigene Vertretung dort angesiedelt ist. »Aber das Land ist insgesamt schon faszinierend«, stellt Tettenborn fest, »und mit der nötigen Vor- und Umsicht kann man sich auch gut und frei bewegen". Dabei ist er natürlich neugierig zu sehen, wie sich das Land mit seinen »Parallelwelten« zuletzt entwickelt hat.
Dass DeTe überhaupt den Sprung nach Südafrika gewagt habe, sei letztlich einem Zufall zu verdanken – und der Solidarität der Franken, meint der Unternehmer im Rückblick. Denn Ausgangspunkt für das Engagement war ein Auftritt bei einer Holzmesse in Hannover. Als die Nürnberger dort Ende der 70er-Jahre ihre damals neu entwickelten, ersten eigenen Geräte vorstellten, zeigte der Direktor einer großen Möbelfabrik in Südafrika Interesse, ein gebürtiger Franke. Er hielt nach Lackiertechnik für die Holzbearbeitung Ausschau – und vergab den Auftrag an die Nürnberger, obwohl sie etwas teurer waren als die Konkurrenz. »Aber wir Franken müssen zusammenhelfen«, lautete das Credo des Kunden – daraus entstand zuerst ein Gemeinschaftsunternehmen, später eine unabhängige Vertretung.
»Damals lief der Betrieb noch unter den Bedingungen der Apartheid, die weiße Elite hielt eng zusammen", erinnert sich Tettenborn. Der Zusammenbruch des Regime bescherte dann auch der Wirtschaft einen massiven Einbruch. Inzwischen habe mit der Industrie auch das Geschäft von DeTe wieder Tritt gefasst – nicht nur dank der für das ganze südliche Afrika bedeutsamen Möbelindustrie, sondern auch dank großer Produzenten aus der Elektro- und Autoindustrie.
Gegründet und aufgebaut hatte das Unternehmen Tettenborns Vater Hans-Georg – ursprünglich als Fabrik für Kühlschränke. Das Namenskürzel sollte an »Deutsche Technik« denken lassen. Sein Vater habe es aber auch gewählt, erinnert sich der Sohn, um in alphabetischen Verzeichnissen in der oberen Hälfte aufzutauchen.
Das Aufkommen der neuen Kompressor- an Stelle der einstigen Absorberkühltechnik zwang den findigen Unternehmer zum Umsatteln auf die damals aus den USA neu aufkommende Lackiertechnik. Bis zur Gründung eines Joint-Venture-Unternehmens in Ungarn, noch vor der Wende, wurde in Nürnberg nicht nur geplant, sondern auch produziert.
Bei den Misch- und Dosieranlagen für zwei bis drei Komponenten – neben den Lacken auch Härter und Spülmittel – kommt es auf permanent gleiche Konsistenz und Qualität an, und das auf den verschiedensten Materialien und mit sehr unterschiedlichen Anforderungen.
Heute sind am Firmensitz in Schnepfenreuth noch 21 Mitarbeiter beschäftigt; Stahlbau und Blechfertigung erfolgen in Ungarn – für die Nürnberger zugleich eine Brücke zur Erschließung des gesamten osteuropäischen Marktes. Mit Tochtergesellschaften und Vertretungen ist DeTe darüberhinaus in zahlreichen Ländern vertreten, selbst in Australien.
Neuestes Geschäftsfeld ist die Ermittlung der klimawirksamen Emissionen bei Lackierprozessen, wichtig nicht zuletzt für die Automobilindustrie, die demnächst ebenfalls entsprechende Nachweise für die gesamte Herstellungskette erbringen muss und in den Zertifikatehandel einbezogen wird.
Und wen wird Tettenborn im Endspiel auflaufen sehen? »Wenn man sich wünscht, dass Deutschland dabei ist, muss man auch so tippen«, meint der Nürnberger. »Gegner ist dann eine Mannschaft aus Südamerika.«
Wolfgang Heilig-Achneck
23.6.2010
© NÜRNBERGER NACHRICHTEN




